Persistierende frühkindliche Reflexe und Hochsensibilität: Gibt es Zusammenhänge?
Kurz erklärt: Was sind persistierende frühkindliche Reflexe?
Falls dir der Begriff noch neu ist: Frühkindliche Reflexe sind angeborene Bewegungsmuster, die Babys in ihrer frühen Entwicklung unterstützen. Sie helfen unter anderem bei der Geburt, beim Aufrichten, Krabbeln oder später beim Gehen.
Idealerweise werden diese Reflexe im Laufe der Entwicklung integriert. Bleiben einzelne Reflexe jedoch länger aktiv als vorgesehen, sprechen Fachleute von persistierenden frühkindlichen Reflexen. Aus Sicht verschiedener reflexintegrativer Ansätze können sie unter anderem Einfluss auf Bewegung, Konzentration, Körperhaltung oder Verhalten haben.
Da dieses Thema umfangreich ist, findest du eine ausführliche Erklärung, typische Anzeichen sowie Beispiele aus dem pädagogischen Alltag im Blogartikel „Was sind persistierende frühkindliche Reflexe?".
Im heutigen Video geht es deshalb weniger um die theoretischen Grundlagen, sondern vor allem um die Erfahrungen von Julia Elmer aus ihrer praktischen Arbeit mit Kindern und Familien.
Warum dieses Thema viele Familien beschäftigt
Viele Eltern erleben, dass ihr Kind trotz großer Anstrengung immer wieder an denselben Herausforderungen scheitert. Es fällt das Schreiben schwer, die Konzentration lässt schnell nach oder scheinbar einfache Alltagssituationen führen immer wieder zu Frust und Konflikten. Häufig haben Familien bereits verschiedene Unterstützungsangebote ausprobiert – etwa Ergotherapie, Logopädie oder andere Fördermaßnahmen – und dennoch bleiben manche Schwierigkeiten bestehen.
Nicht selten hören Eltern dann Sätze wie:
- „Das wächst sich schon aus."
- „Das Kind muss sich einfach mehr anstrengen."
- „Es ist eben etwas unkonzentriert."
Für viele Familien fühlen sich diese Erklärungen jedoch unzureichend an. Sie spüren, dass hinter dem Verhalten ihres Kindes mehr steckt, können es aber nicht genau benennen.
Genau an diesem Punkt beginnen manche Eltern, sich mit dem Thema persistierende frühkindliche Reflexe auseinanderzusetzen. Sie suchen nach weiteren möglichen Erklärungsansätzen – nicht, weil sie zwanghaft nach einer Ursache suchen, sondern weil sie ihr Kind besser verstehen möchten.
Auch in meiner Arbeit begegnen mir immer wieder Eltern und pädagogische Fachkräfte, die von diesem Thema zuvor noch nie gehört hatten. Dabei berichten viele, dass sie nach einer intensiveren Auseinandersetzung bestimmte Verhaltensweisen ihres Kindes plötzlich in einem neuen Licht sehen konnten.
Wichtig ist dabei jedoch: Persistierende frühkindliche Reflexe erklären nicht jedes auffällige Verhalten und ersetzen auch keine sorgfältige diagnostische Abklärung. Sie sind vielmehr ein möglicher Baustein unter vielen, der helfen kann, das Gesamtbild eines Kindes differenzierter zu betrachten.
Genau dieser offene und differenzierte Blick entspricht auch dem Grundgedanken der Potenzialpädagogik: Nicht vorschnell bewerten oder vereinfachen, sondern verschiedene Einflussfaktoren berücksichtigen und das Kind in seiner individuellen Entwicklung verstehen.
Julia Elmer und ihr Zugang zur Reflexintegration
Julia Elmer ist Familylab-Familienberaterin, Kinder- und Jugendcoach und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit verschiedenen Methoden der Reflexintegration.
Der Zugang entstand über ihre eigenen Zwillinge. Obwohl sie bereits bindungs- und bedürfnisorientiert arbeitete, blieben manche Herausforderungen bestehen. Dadurch begann sie, sich intensiv mit frühkindlichen Reflexen und deren möglichem Einfluss auf Entwicklung und Verhalten auseinanderzusetzen.
Heute begleitet sie Familien mit unterschiedlichen reflexintegrativen Ansätzen wie INPP, Kinflex® und RIT. Hier findest du einen Überblick über die einzelnen Methoden und den Schwerpunkt auf die Kinflex® Therapie .
Welche Themen wir im Video besprechen
- Was persistierende frühkindliche Reflexe sind
- Warum sie manchmal aktiv bleiben
- Welche Verhaltensweisen beobachtet werden können
- Welche Methoden der Reflexintegration es gibt
- Warum Hochsensibilität und Reflexe in der Praxis häufig gemeinsam auftreten
Potenzialblick
Nicht jedes auffällige Verhalten hat dieselbe Ursache. Persistierende frühkindliche Reflexe sind nur ein möglicher Erklärungsansatz neben vielen anderen biologischen, entwicklungsbezogenen und psychosozialen Faktoren. Aus Sicht der Potenzialpädagogik lohnt es sich deshalb, Verhalten immer differenziert zu betrachten und verschiedene Perspektiven einzubeziehen.
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Verhalten differenziert verstehen
Viele pädagogische Fachkräfte berichten, dass Themen wie Hochsensibilität oder persistierende frühkindliche Reflexe in ihrer Ausbildung kaum behandelt wurden.
In meiner Fachfortbildung lernst du, Verhalten besser einzuordnen, verschiedene Einflussfaktoren zu unterscheiden und Kinder mit dem Potenzialblick professionell zu begleiten.

