Leide ich am Hochstapler-Syndrom?

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Leide ich am Hochstapler-Syndrom?

Kennst du das Gefühl, dass andere dich kompetenter einschätzen als du dich selbst? Vielleicht hast du beruflich oder privat bereits viel erreicht und dennoch begleitet dich der Gedanke:

"Irgendwann merken alle, dass ich gar nicht so kompetent bin."

Genau dieses Erleben beschreibt das sogenannte Impostor-Syndrom (auch Hochstapler-Syndrom genannt). Besonders häufig begegnet mir dieses Phänomen bei hochbegabten, hochsensiblen und sehr reflektierten Menschen.

In diesem Artikel erfährst du,

  • was hinter dem Impostor-Syndrom steckt,
  • warum gerade leistungsstarke Menschen davon betroffen sind
  • und weshalb Selbstzweifel oft nichts über die tatsächliche Kompetenz aussagen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Das Impostor-Syndrom beschreibt das Gefühl, trotz objektiver Erfolge nicht kompetent genug zu sein.
  • Betroffene führen ihre Leistungen häufig auf Glück oder Zufall zurück.
  • Besonders häufig zeigt sich dieses Phänomen bei sehr reflektierten, perfektionistischen sowie hochbegabten Menschen.
  • Das Impostor-Syndrom ist keine psychische Erkrankung, kann jedoch das Selbstwertgefühl und die berufliche Entwicklung erheblich beeinflussen.

Zu diesem Thema habe ich mich mit Tanja Herrmann-Hurtzig ausführlich unterhalten. Im Video und in der Podcastfolge sprechen wir unter anderem über typische Ursachen, Zusammenhänge mit Hochbegabung sowie hilfreiche Strategien im Umgang mit dem Impostor-Syndrom.

Hier ein kleiner Auszug, worüber wir in dieser Folge sprechen:

Was ist das Impostor-Syndrom?

Das Impostor-Syndrom (auch Hochstapler-Syndrom, Hochstapler-Phänomen oder Impostor-Phänomen genannt) beschreibt das anhaltende Gefühl, die eigenen Erfolge eigentlich nicht verdient zu haben.

Menschen mit einem Impostor-Syndrom erleben sich häufig als weniger kompetent, als andere sie wahrnehmen. Sie befürchten, irgendwann als „nicht gut genug“ oder sogar als Betrüger entlarvt zu werden – obwohl ihre Leistungen objektiv etwas anderes zeigen.

Typisch ist, dass Erfolge nicht den eigenen Fähigkeiten zugeschrieben werden, sondern äußeren Umständen wie Glück, Zufall, Fleiß oder günstigen Rahmenbedingungen. Lob fällt häufig schwer anzunehmen und wird eher relativiert als verinnerlicht.

Dabei handelt es sich um ein subjektives Erleben. Zwischen der tatsächlichen Kompetenz und der eigenen Selbstwahrnehmung besteht oft eine große Diskrepanz. Viele Betroffene verfügen über umfangreiches Wissen, langjährige Erfahrung oder außergewöhnliche Fähigkeiten – erkennen diese bei sich selbst jedoch kaum an. Gerade hochbegabte Menschen erleben dieses Phänomen besonders häufig. Warum viele ihre eigene Begabung lange nicht erkennen, erfährst du im Artikel Warum viele hochbegabte Frauen glauben, nicht begabt oder intelligent zu sein.“

Das Impostor-Syndrom ist keine psychische Störung, sondern ein psychologisches Phänomen, das mit Selbstzweifeln, Perfektionismus und einem verzerrten Selbstbild verbunden sein kann. Je stärker diese Gedanken den Alltag beeinflussen, desto belastender können sie werden – beruflich ebenso wie privat.

🌿 Potenzialblick

Menschen mit einem Impostor-Syndrom fehlt meist nicht die Kompetenz, sondern das Vertrauen in die eigene Kompetenz. Der Potenzialblick richtet den Fokus deshalb nicht auf vermeintliche Defizite, sondern hilft dabei, die eigenen Fähigkeiten realistischer wahrzunehmen und den Blick auf die eigenen Ressourcen zu stärken.

Wie entsteht das Hochstapler-Syndrom?

Die genauen Ursachen des Impostor-Syndroms sind wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. Forschende gehen davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenwirken. Häufig spielen sowohl persönliche Eigenschaften als auch Erfahrungen aus der Kindheit und dem sozialen Umfeld eine Rolle.

Viele Betroffene haben ein verzerrtes Bild ihrer eigenen Fähigkeiten. Sie nehmen Erfolge weniger wahr als Fehler und setzen die Messlatte für sich selbst außergewöhnlich hoch. Dadurch entsteht leicht das Gefühl, den eigenen Ansprüchen niemals wirklich zu genügen.

Auch die Erziehung kann einen Einfluss haben. Manche Menschen haben schon früh gelernt, Anerkennung vor allem über Leistung zu erhalten. Wer erlebt hat, dass Lob oder Aufmerksamkeit überwiegend an gute Noten, besondere Leistungen oder fehlerfreies Verhalten geknüpft waren, entwickelt mitunter den Glauben, ständig etwas leisten zu müssen, um wertvoll zu sein.

Ein weiterer häufiger Begleiter des Impostor-Syndroms ist Perfektionismus. Betroffene setzen sich oft so hohe Maßstäbe, dass sie ihre eigenen Leistungen kaum noch als ausreichend empfinden. Selbst objektive Erfolge werden relativiert oder als selbstverständlich angesehen.

In meiner Arbeit begegnet mir dieses Muster besonders häufig bei hochsensiblen und hochbegabten Menschen. Ihre ausgeprägte Selbstreflexion, ihr hoher Anspruch an die eigene Arbeit und ihr Wunsch, Dinge möglichst gründlich und gewissenhaft zu erledigen, können Selbstzweifel zusätzlich verstärken. Gerade hochbegabte Frauen erkennen ihre eigenen Fähigkeiten oft lange Zeit nicht als außergewöhnlich an.

Manche reagieren darauf, indem sie sich immer weiter fortbilden, zusätzliche Qualifikationen erwerben oder sich noch intensiver vorbereiten als andere. Nach außen wirken sie dadurch äußerst kompetent – innerlich bleibt jedoch häufig das Gefühl bestehen, noch immer nicht gut genug zu sein.

🌿 Potenzialblick

Das Problem liegt selten in fehlenden Fähigkeiten. Viel häufiger besteht die Herausforderung darin, die eigenen Fähigkeiten realistisch wahrzunehmen und ihnen denselben Wert zuzuschreiben, den andere Menschen längst erkennen.

Welche Folgen kann das Hochstapler-Syndrom haben?

Menschen mit einem Impostor-Syndrom nehmen ihre eigenen Fähigkeiten häufig deutlich kritischer wahr, als es ihrem tatsächlichen Können entspricht. Sie stellen ihr Licht unter den Scheffel, relativieren Erfolge und tun sich schwer, Lob oder Anerkennung anzunehmen.

Diese Selbstzweifel können sich auch im Berufsleben auswirken. Manche bewerben sich nicht auf Stellen, für die sie eigentlich bestens qualifiziert wären, lehnen neue Herausforderungen ab oder trauen sich nicht, ihre Leistungen sichtbar zu machen. Auch Gehaltsverhandlungen oder Beförderungen werden häufig gemieden, weil Betroffene überzeugt sind, noch nicht „gut genug“ zu sein.

Dadurch bleiben Potenziale oft ungenutzt – nicht aus mangelnder Kompetenz, sondern aus mangelndem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Doch auch im privaten Bereich kann das Impostor-Syndrom belastend sein. Ständige Selbstkritik, Perfektionismus und das Gefühl, nie zu genügen, kosten viel Energie und können die persönliche Entwicklung ebenso bremsen wie das Erleben von Zufriedenheit und Selbstwirksamkeit.

Zum Glück lässt sich dieses Muster verändern. Wer beginnt, die eigenen Gedanken kritisch zu hinterfragen und die eigenen Erfolge bewusster wahrzunehmen, kann Schritt für Schritt ein realistischeres und freundlicheres Bild von sich selbst entwickeln.

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Über die Autorin

Tina Pichler

Tina Pichler begleitet Eltern, Pädagog*innen und Lehrkräfte im Familien- und Bildungsalltag – praxisnah, unkonventionell und mit einem Augenzwinkern. Sie ist diplomierte Familienbegleiterin, psychologische Beraterin für Hochsensibilität und Hochbegabung, zertifizierte Parent Educatorin, leitet das BIPP und studiert Bildungswissenschaften. Ihr Fokus: das Potenzial von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen entdecken – mit Humor, Aha-Momenten und sofort umsetzbaren Lösungen.

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