Hochsensibel oder hochbegabt im Berufsalltag

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Hochsensibel oder hochbegabt im Berufsalltag – Potenziale erkennen und nutzen

Viele Menschen beschäftigen sich erst dann mit Hochsensibilität oder Hochbegabung, wenn ihre Kinder entsprechende Merkmale zeigen. Dabei geraten sie häufig selbst ins Nachdenken: Könnte das auch auf mich zutreffen?

Gerade im Berufsleben kann dieses Wissen eine große Rolle spielen. Wer seine Stärken, Bedürfnisse und Denkweisen besser versteht, kann Entscheidungen bewusster treffen, das eigene Potenzial gezielter einsetzen und Arbeitsbedingungen finden, die wirklich passen.

In dieser Podcastfolge spreche ich mit Business- und Karriere-Coach Tanja Herrmann-Hurtzig darüber,

  • was Hochsensibilität und Hochbegabung im Berufsalltag bedeuten,
  • welche häufigen Missverständnisse es gibt,
  • warum Unternehmen hier enormes Potenzial verschenken
  • und wie Betroffene ihre Besonderheiten als Stärke nutzen können.

🌿 Potenzialblick

Nicht jede außergewöhnliche Denkweise muss verändert werden. Oft geht es vielmehr darum, den passenden Rahmen zu finden, damit individuelle Stärken sichtbar werden und sich entfalten können.

Im folgenden Gespräch mit Business- und Karriere-Coach Tanja Herrmann-Hurtzig sprechen wir darüber, wie sich Hochsensibilität und Hochbegabung im Berufsalltag zeigen können, warum diese Potenziale häufig übersehen werden und welche Chancen sich für Betroffene und Unternehmen daraus ergeben.

Unter anderem gehen wir folgenden Fragen nach:

  • Was bedeutet Hochsensibilität im Berufsalltag?
  • Was versteht man unter Hochbegabung bei Erwachsenen?
  • Welche Stärken bringen hochsensible und hochbegabte Menschen mit?
  • Warum werden ihre Potenziale häufig unterschätzt?
  • Wie können Betroffene und Unternehmen besser damit umgehen?

Hochsensibel und der Berufsalltag

Hochsensibilität beschreibt keine Diagnose und keine Schwäche, sondern eine angeborene Art der Reizwahrnehmung und Reizverarbeitung. Hochsensible Menschen nehmen Informationen aus ihrer Umwelt und ihrem Inneren häufig intensiver, differenzierter und komplexer wahr als viele andere Menschen.

Gerade im Berufsalltag kann diese Art der Informationsverarbeitung eine große Stärke sein. Hochsensible Menschen erkennen oft feine Zusammenhänge, bemerken Details, die anderen entgehen, und denken komplex über Situationen nach. Gleichzeitig kann genau diese intensive Wahrnehmung in Arbeitsumgebungen mit hohem Lärmpegel, vielen Unterbrechungen oder dauerhaftem Zeitdruck auch herausfordernd sein.

 Was Hochsensibilität wissenschaftlich beschreibt und welche häufigen Missverständnisse es gibt, erfährst du im Wissensartikel „Was ist Hochsensibilität wirklich?“

🌿 Potenzialblick

Hochsensibilität entscheidet nicht darüber, ob jemand erfolgreich ist, sondern häufig darüber, unter welchen Bedingungen sich das eigene Potenzial am besten entfalten kann.

Wie erkenne ich Hochsensibilität bei mir selbst?

Viele hochsensible Erwachsene wissen lange Zeit gar nicht, dass sie hochsensibel sind. Schließlich erleben sie ihre Art der Wahrnehmung seit ihrer Kindheit als völlig normal. Dass sie Informationen, Stimmungen oder Reize anders aufnehmen als andere Menschen, wird ihnen oft erst bewusst, wenn sie beginnen, sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Im Berufsalltag zeigt sich Hochsensibilität häufig nicht direkt durch die Reizaufnahme selbst – denn diese ist von außen nicht sichtbar –, sondern durch ihre Auswirkungen. Manche Menschen benötigen nach intensiven Besprechungen mehr Zeit, um die vielen Informationen zu verarbeiten. Andere reagieren empfindlich auf dauerhaften Lärm, häufige Unterbrechungen oder eine hohe Reizdichte im Großraumbüro.

Gleichzeitig bringen viele hochsensible Menschen genau dadurch wertvolle Fähigkeiten mit: Sie erkennen feine Zusammenhänge, denken komplex, arbeiten sorgfältig und nehmen Stimmungen im Team oft sehr früh wahr.

Entscheidend ist dabei weniger die Frage, ob jemand hochsensibel ist, sondern wie gut die eigenen Bedürfnisse bekannt sind und ob das Arbeitsumfeld zur eigenen Persönlichkeit passt.

Wenn du herausfinden möchtest, ob Hochsensibilität auf dich zutreffen könnte, findest du hier weitere Informationen und einen Selbsttest: „Bin ich hochsensibel?“

🌿 Potenzialblick

Nicht die Hochsensibilität selbst entscheidet darüber, ob jemand sein Potenzial entfalten kann. Häufig macht erst das Zusammenspiel zwischen Persönlichkeit, Arbeitsumfeld und den eigenen Strategien den entscheidenden Unterschied.

Hochsensibel und hochbegabt - ist das immer verknüpft?

Hochsensibilität und Hochbegabung werden häufig miteinander in Verbindung gebracht. Tatsächlich können beide Merkmale gemeinsam auftreten – auch wenn es sich um zwei unterschiedliche Konstrukte handelt.

Es gibt hochbegabte Menschen, die dem Konstrukt der Hochsensibilität nach Elaine Aron nicht entsprechen, ebenso wie hochsensible Menschen ohne Hochbegabung. Gleichzeitig berichten Fachpersonen aus Beratung und Praxis immer wieder von Menschen, bei denen sich beide Merkmale überschneiden. Auch ich begegne in meiner Arbeit regelmäßig Menschen, auf die beides zutrifft.

Gerade dann zeigen sich häufig Eigenschaften wie:

  • ausgeprägte Neugier,
  • schnelles und komplexes Denken,
  • ein hoher Gerechtigkeitssinn,
  • intensive emotionale Reaktionen,
  • Perfektionismus,
  • große Begeisterungsfähigkeit für Interessensgebiete,
  • tiefgründige Fragen und
  • der Wunsch, Zusammenhänge wirklich verstehen zu wollen.

Wie stark sich diese Eigenschaften zeigen, ist jedoch individuell sehr unterschiedlich. Es gibt weder „den hochbegabten Menschen“ noch „den hochsensiblen Menschen“. Jeder Mensch bringt seine ganz eigene Kombination an Stärken, Bedürfnissen und Persönlichkeitsmerkmalen mit.

Mehr darüber, was Hochsensibilität wirklich bedeutet und warum es dabei keine einheitliche Ausprägung gibt, erfährst du im Wissensartikel „Was ist Hochsensibilität wirklich?“

🌿 Potenzialblick

Menschen lassen sich selten eindeutig in Schubladen einordnen. Entscheidend ist nicht, welches Etikett jemand trägt, sondern welche individuellen Stärken, Bedürfnisse und Entwicklungsmöglichkeiten sichtbar werden.

Hochbegabung – mehr als nur ein hoher IQ

Rund um das Thema Hochbegabung halten sich bis heute viele hartnäckige Mythen. Nicht selten denken Menschen sofort an außergewöhnliche Genies, Wunderkinder oder Menschen, die in jedem Bereich Bestleistungen erbringen.

Die Realität ist deutlich vielfältiger.

Im deutschsprachigen Raum wird Hochbegabung häufig über einen Intelligenzquotienten (IQ) von 130 oder höher definiert. Ein hoher IQ allein sagt jedoch wenig darüber aus, wie ein Mensch seine Fähigkeiten im Alltag nutzt oder ob sein Potenzial tatsächlich sichtbar wird.

Viele hochbegabte Menschen fallen zunächst gar nicht auf. Manche passen sich ihrem Umfeld an, möchten nicht anecken oder stellen ihre Fähigkeiten bewusst in den Hintergrund. Andere zweifeln an sich selbst, weil sie ihre eigenen Leistungen als selbstverständlich ansehen oder sehr hohe Ansprüche an sich selbst stellen.

Gerade im Berufsleben bleiben dadurch viele Potenziale unentdeckt. Nicht fehlende Fähigkeiten verhindern häufig die Entfaltung, sondern ein Umfeld, das diese Fähigkeiten weder erkennt noch gezielt fördert.

🌿 Potenzialblick

Hochbegabung bedeutet nicht, überall außergewöhnlich zu sein. Viel entscheidender ist auch hier die Frage, welche individuellen Stärken ein Mensch mitbringt und unter welchen Bedingungen er sie entfalten kann.

Welche Arbeitsumgebungen passen häufig gut zu hochsensiblen oder hochbegabten Menschen?

Die Frage nach dem „richtigen Beruf“ lässt sich weder für hochsensible noch für hochbegabte Menschen pauschal beantworten. Es gibt keine Liste von Berufen, die für alle gleichermaßen geeignet ist.

Viel entscheidender ist die Frage: Unter welchen Bedingungen kann ich mein Potenzial am besten entfalten?

Viele hochsensible oder hochbegabte Menschen berichten, dass sie besonders gerne arbeiten, wenn sie

  • eigenverantwortlich handeln können,
  • Gestaltungsspielraum haben,
  • ihre Ideen einbringen dürfen,
  • komplexe Fragestellungen lösen können,
  • sich kontinuierlich weiterentwickeln dürfen und
  • ihre Arbeit als sinnvoll erleben.

Ebenso wichtig ist jedoch das Arbeitsumfeld. Manche Menschen arbeiten am liebsten in ruhigen Strukturen mit ausreichend Zeit für konzentriertes Denken. Andere suchen regelmäßig neue Projekte, Herausforderungen oder wechselnde Aufgabenbereiche.

Es geht daher weniger um den einen passenden Beruf, sondern vielmehr um ein Arbeitsumfeld, das zur eigenen Persönlichkeit, den individuellen Stärken und Bedürfnissen passt.

🌿 Potenzialblick

Nicht der Beruf allein entscheidet darüber, ob ein Mensch zufrieden arbeitet. Oft ist es die Kombination aus Aufgaben, Arbeitsumfeld, Führungskultur und Entwicklungsmöglichkeiten, die darüber entscheidet, ob Potenziale sichtbar werden können.

⚠️ Häufiges Missverständnis

„Hochsensible Menschen arbeiten am liebsten allein.“

Das trifft nicht pauschal zu. Manche schätzen ruhige Einzelarbeit, andere blühen gerade im Austausch mit Menschen auf. Entscheidend ist nicht die Hochsensibilität selbst, sondern die individuelle Persönlichkeit und das Arbeitsumfeld.

Introvertiert oder extravertiert – warum das im Berufsleben wichtig ist

Neben Hochsensibilität oder Hochbegabung spielt auch die eigene Persönlichkeitsstruktur eine wichtige Rolle. Ob ein Mensch eher introvertiert oder extravertiert ist, beeinflusst unter anderem, wie Energie gewonnen wird, welche Arbeitsumgebungen als angenehm erlebt werden und welche Aufgaben besonders gut liegen.

Dabei gilt: Introvertiert bedeutet nicht schüchtern und extravertiert bedeutet nicht automatisch laut oder kontaktfreudig. Beide Persönlichkeitsmerkmale bringen unterschiedliche Stärken mit sich.

Gerade im Berufsleben lohnt es sich deshalb, die eigene Persönlichkeit gut kennenzulernen. Oft liegt die eigentliche Herausforderung nicht in den eigenen Fähigkeiten, sondern darin, dass Rolle, Arbeitsumfeld oder Aufgaben nicht zu den individuellen Bedürfnissen passen.

Mehr darüber, welche Unterschiede es zwischen Introversion und Extraversion gibt und warum dieses Wissen bei der Berufswahl hilfreich sein kann, erfährst du im Blogartikel „Introvertiert oder extravertiert?“

 Weiterführende Artikel 🍃

Wenn dich dieses Thema interessiert, könnten auch diese Wissensartikel spannend für dich sein:

➡️  Was ist Hochsensibilität wirklich?

➡️  Leide ich am Hochstapler-Syndrom?

➡️  Bin ich hochsensibel? 

➡️  Introvertiert oder extravertiert?

Arbeitest du mit Kindern oder Jugendlichen?

Viele pädagogische Fachkräfte berichten, dass Hochsensibilität und Hochbegabung in ihrer Ausbildung kaum oder nur am Rande behandelt wurden. Genau deshalb habe ich die Fachfortbildung Hochsensibilität entwickelt.

Du lernst,

  • Hochsensibilität sicherer zu erkennen,
  • Verhalten besser einzuordnen,
  • den Potenzialblick in deinen pädagogischen Alltag zu integrieren
  • und Kinder individuell und ressourcenorientiert zu begleiten.

Über die Autorin

Tina Pichler

Tina Pichler begleitet Eltern, Pädagog*innen und Lehrkräfte im Familien- und Bildungsalltag – praxisnah, unkonventionell und mit einem Augenzwinkern. Sie ist diplomierte Familienbegleiterin, psychologische Beraterin für Hochsensibilität und Hochbegabung, zertifizierte Parent Educatorin, leitet das BIPP und studiert Bildungswissenschaften. Ihr Fokus: das Potenzial von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen entdecken – mit Humor, Aha-Momenten und sofort umsetzbaren Lösungen.

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